Gedanken zur Tourismus-Werbung und -Infrastruktur
Verfasst: 01.09.2013, 08:56
Was die touristische Infrastruktur angeht, so können sich die Azoren keineswegs mit den Kanaren oder Madeira vergleichen. Landschaftlich sind sie gewiss ebenwürdig oder sogar, unter anderen Blickwinkeln, überlegen. Als die am nördlichsten gelegene Inselgruppe haben sie jedoch das kühlere und unbeständigere Wetter und sind oft im Gebirge wolkenverhangen. Mir gefällt dies, doch so manch sonnenhungriger Tourist hat Pech und ist enttäuscht. Die Azoren sind eben keine Inseln mit langen Sand- und Sonnenstränden. Sie haben vor allem ihre Reize in der unbeschreiblich schönen Natur.
Die azorianische Tourismuswerbung weiß dies. Daher umwirbt sie vor allem Naturfreunde und Wanderer. Und dies sind in erster Linie die deutschsprechenden Gäste. Es ist für mich daher nicht verständlich, dass man versucht, immer wieder andere Länder für einen Azorenurlaub zu gewinnen, deren Menschen eher sonnenhungrig sind. Das Riesenpotential deutschsprachiger Urlauber dagegen ist noch lange nicht ausgereizt.
Oft habe ich den Eindruck, die für den Tourismus Verantwortlichen wissen nicht, was die Gäste aus den deutschen Ländern erwarten. Sonst würden sie sich mehr auf deren Wünsche einstellen.
Hier einige Überlegungen, die ich teilweise schon früher geäußert habe:
• Die deutsche Sprache kennt man kaum
Englisch sprechen die allermeisten Azorianer. Es ist die „Lingua franca“ der Verständigung. Aber Deutsch sprechen allenfalls einige im Tourismusgewerbe. Schauen wir einmal auf andere Länder: Meist wird gegenüber den Deutschen auch deutsch gesprochen, zumindest rudimentär. Hier haben die Azorianer Nachholbedarf.
• Offizielle Homepage unattraktiv
Es gibt diverse deutschsprachige Azoren-Homepages. Offizielle, halboffizielle und private.
In ihrer Qualität sind sie sehr unterschiedlich. Gerade von den offiziellen würde man mehr sprachliche Qualität und Reichhaltigkeit erwarten. www.azoren-online.com steht für mich immer noch an der Spitze des Vielfalts- und Zuverlässigkeitsrankings.
• Wetterkarte mit den Azoren
Auf den Wetterkarten des deutschsprachigen Raumes, ob Presse oder Fernsehen, sind die Kanaren und Madeira meist eingeklinkt. Die Azoren fehlen immer. Die azorianische Tourismuswerbung bringt es nicht fertig, deutschsprachige Medien zu überzeugen, dass auch die Azoren zu Europa gehören.
• Teure Flüge
Die SATA ist kein Billigflieger. Oft ganz im Gegenteil. So erstaunt es mich immer wieder, dass man mit TAP via Lissabon oft billiger auf die Azoren fliegen kann als in einem Direktflug mit SATA. Auch Air Berlin ist oft günstiger. Daher wird sich so mancher, der gerne auf die Azoren fliegen würde, mit Blick in sein Portemonnaie die Reise zweimal überlegen.
• Fehlende Wanderkarten
Wir Wanderer in den deutschsprachigen Gebieten können uns mit hervorragenden Wanderkarten der verschiedensten Art orientieren. Meist haben sie die Maßstäbe 1: 50.000 oder 1: 25.000. Die einzige gute Azoren-Karte, die für Wanderer geeignet ist, ist die von Freytag und Berndt im Maßstab 1: 75.000. Was für mich völlig unverständlich ist: Die 25.000er- und 50.000er-Karten gibt es zwar zu kaufen, doch nur in Lissabon und nicht auf den Azoren. Allerdings sind in den Wanderheften der „Amigos dos Açores“ (kombiniert englisch/portugiesisch) davon Kartenausschnitte mit eingezeichneten Wanderwegen.
• Romeiros-Wanderweg
Die vor Jahren aufgekommene Idee eines Wanderweges auf den Spuren der Romeiros, der azorianischen Fastenzeit-Pilger, halte ich für ausgezeichnet. Denken wir nur daran, welch touristischer Segen der Jakobsweg nach Santiago de Compostela für Nordspanien bedeutet. Entsprechend beworben, hätte auch ein Romeiros-Wanderweg viele begeisterte Wanderer oder auch religiös orientierte Pilger nach São Miguel geführt. Romeiros pilgern auf den Straßen. Für Wanderer hätte man abseits neue Wege schaffen müssen. Das hätte gekostet. Und daher ist der Plan wieder eingeschlafen.
• Fehlanzeige Azoren-Kalender
Ich habe es in diesem Forum schon mehrfach bedauert: Es gibt keine azorianischen Azoren-Bildkalender zu kaufen. Man erkennt einfach nicht das große touristische Werbepotential solcher Bildkalender. In allen anderen Tourismusgebieten Europas gibt es sie in großer Auswahl.
• Azoren-Briefmarken
Auch mit Briefmarken lässt sich werben. Die Azorenpost gibt alljährlich einen sehr schönen Briefmarkensatz mit azorianischen Motiven heraus. Sie sind aber schnell vergriffen. Und dann wird man mit portugiesischen Briefmarken bedient. Oder gar mit Freistempeln.
Warum wirbt man nicht verstärkt mit den hübschen Azoren-Briefmarken?
• Deutsche Zeitungen und Zeitschriften: Fehlanzeige
Haben Sie schon einmal versucht, auf den Azoren eine deutsche Zeitung oder Zeitschrift zu kaufen? Die gibt es fast nirgendwo. Ich kenne kein anderes europäisches Touristengebiet, in dem ich nicht eine Auswahl von deutschen Printmedien erhalten kann. Auf Mallorca und auf den Kanaren und auch anderswo gibt es eigene deutsche Ausgaben der Bild-Zeitung. Und vielerorts, etwa auf den Kanaren und auf Madeira auch eigene deutschsprachige Zeitschriften und Zeitschriften. Doch auf den Azoren: Nichts dergleichen.
• Werbesymbol „Azoren“
Der offizielle wuchtige Schriftzug „Azoren“ des Azorentourismus ist inzwischen völlig antiquiert. Warum kreiert man nicht einen schönen neuen? Die Sata hat es vorgemacht: Die Flügelschwingen auf den Flugzeughecks waren nur wenige Jahre gebräuchlich, dann erfand man den Azoren-Habicht mit seinen neun Feldern, die der Größe der einzelnen Inseln entsprechen. Ich finde das eindrucksvoll. So könnte man sich auch für die Inselgruppe oder auch einzelne Inseln einprägsame, symbolhafte Piktogramme ausdenken.
• Azorendörfer oft wenig ausdrucksvoll
In Deutschland haben die alljährlichen Wettbewerbe für schönere Dörfer in den vergangenen Jahrzehnten erstaunlich Positives bewirkt. Auf den Azoren gibt es nichts dergleichen. Die Häuser haben kaum Blumenschmuck, der Hausanstrich lässt oft zu wünschen übrig. Öffentliche Anlagen sind oft langweilig, lieblos. Allerdings werden die „weißen Dörfer“ allmählich farbiger. Mit wenig Geld, guten Ideen und auch Eigeninitiative ließen sich hier so manche reizvolle Veränderungen bewirken. In diesen Tagen hat der Kreis Ponta Delgada damit begonnen, sogenannte „Sinaléticas“, Erläuterungstafeln zu Sehenswürdigkeiten aufzustellen. Ein guter Anfang.
• Bade-Tourismus liegt brach
Die Azoren hätten dank ihrer Thermalquellen die Voraussetzung für einen aufstrebenden Spa-Tourismus. Doch nichts dergleichen tut sich. Mangels Management und Werbung liegen die vorhandenen Einrichtungen weitgehend brach.
• Azoren-Museum Ponta Delgada
Die Azoren haben eine große Anzahl und Auswahl an gut gestalteten Museen. Doch ausgerechnet das größte Azorenmuseum in Ponta Delgada mit seinem reichen Bestand ist mit seinem Hauptgebäude seit über 6 Jahren geschlossen. Völlig unverständlich.
• Informationszentrum für Geothermie
Ziemlich einmalig und hochinteressant ist auf den Azoren die Energiegewinnung mittels Erdwärme. Ein Highlight wäre es auch für Touristen, würde man ihnen dies in einem Informationszentrum erläutern. Doch es gibt nichts dergleichen.
• Vulkanismus-Museum
Das Museum von Capelinhos auf Faial ist sehr gut gelungen und hat auch die entsprechende Anzahl von Besuchern. Aber die Insel São Miguel, die ja auch aufs Engste mit dem Vulkanismus verbunden ist, hat nichts dergleichen zu bieten; sieht man einmal von der stets geschlossenen Einrichtung an der Küste von Lagoa ab. Warum etwa nutzt man nicht einen der überflüssigen neuen Container am Ufer von Sete Cidades für ein kleines Vulkanismus-Museum?
Die Reihe der Anmerkungen ließe sich gewiss noch fortsetzen. Vielleicht kannst Du, lieber Tourist, Du, lieber Resident sie noch ergänzen.
hjh
Die azorianische Tourismuswerbung weiß dies. Daher umwirbt sie vor allem Naturfreunde und Wanderer. Und dies sind in erster Linie die deutschsprechenden Gäste. Es ist für mich daher nicht verständlich, dass man versucht, immer wieder andere Länder für einen Azorenurlaub zu gewinnen, deren Menschen eher sonnenhungrig sind. Das Riesenpotential deutschsprachiger Urlauber dagegen ist noch lange nicht ausgereizt.
Oft habe ich den Eindruck, die für den Tourismus Verantwortlichen wissen nicht, was die Gäste aus den deutschen Ländern erwarten. Sonst würden sie sich mehr auf deren Wünsche einstellen.
Hier einige Überlegungen, die ich teilweise schon früher geäußert habe:
• Die deutsche Sprache kennt man kaum
Englisch sprechen die allermeisten Azorianer. Es ist die „Lingua franca“ der Verständigung. Aber Deutsch sprechen allenfalls einige im Tourismusgewerbe. Schauen wir einmal auf andere Länder: Meist wird gegenüber den Deutschen auch deutsch gesprochen, zumindest rudimentär. Hier haben die Azorianer Nachholbedarf.
• Offizielle Homepage unattraktiv
Es gibt diverse deutschsprachige Azoren-Homepages. Offizielle, halboffizielle und private.
In ihrer Qualität sind sie sehr unterschiedlich. Gerade von den offiziellen würde man mehr sprachliche Qualität und Reichhaltigkeit erwarten. www.azoren-online.com steht für mich immer noch an der Spitze des Vielfalts- und Zuverlässigkeitsrankings.
• Wetterkarte mit den Azoren
Auf den Wetterkarten des deutschsprachigen Raumes, ob Presse oder Fernsehen, sind die Kanaren und Madeira meist eingeklinkt. Die Azoren fehlen immer. Die azorianische Tourismuswerbung bringt es nicht fertig, deutschsprachige Medien zu überzeugen, dass auch die Azoren zu Europa gehören.
• Teure Flüge
Die SATA ist kein Billigflieger. Oft ganz im Gegenteil. So erstaunt es mich immer wieder, dass man mit TAP via Lissabon oft billiger auf die Azoren fliegen kann als in einem Direktflug mit SATA. Auch Air Berlin ist oft günstiger. Daher wird sich so mancher, der gerne auf die Azoren fliegen würde, mit Blick in sein Portemonnaie die Reise zweimal überlegen.
• Fehlende Wanderkarten
Wir Wanderer in den deutschsprachigen Gebieten können uns mit hervorragenden Wanderkarten der verschiedensten Art orientieren. Meist haben sie die Maßstäbe 1: 50.000 oder 1: 25.000. Die einzige gute Azoren-Karte, die für Wanderer geeignet ist, ist die von Freytag und Berndt im Maßstab 1: 75.000. Was für mich völlig unverständlich ist: Die 25.000er- und 50.000er-Karten gibt es zwar zu kaufen, doch nur in Lissabon und nicht auf den Azoren. Allerdings sind in den Wanderheften der „Amigos dos Açores“ (kombiniert englisch/portugiesisch) davon Kartenausschnitte mit eingezeichneten Wanderwegen.
• Romeiros-Wanderweg
Die vor Jahren aufgekommene Idee eines Wanderweges auf den Spuren der Romeiros, der azorianischen Fastenzeit-Pilger, halte ich für ausgezeichnet. Denken wir nur daran, welch touristischer Segen der Jakobsweg nach Santiago de Compostela für Nordspanien bedeutet. Entsprechend beworben, hätte auch ein Romeiros-Wanderweg viele begeisterte Wanderer oder auch religiös orientierte Pilger nach São Miguel geführt. Romeiros pilgern auf den Straßen. Für Wanderer hätte man abseits neue Wege schaffen müssen. Das hätte gekostet. Und daher ist der Plan wieder eingeschlafen.
• Fehlanzeige Azoren-Kalender
Ich habe es in diesem Forum schon mehrfach bedauert: Es gibt keine azorianischen Azoren-Bildkalender zu kaufen. Man erkennt einfach nicht das große touristische Werbepotential solcher Bildkalender. In allen anderen Tourismusgebieten Europas gibt es sie in großer Auswahl.
• Azoren-Briefmarken
Auch mit Briefmarken lässt sich werben. Die Azorenpost gibt alljährlich einen sehr schönen Briefmarkensatz mit azorianischen Motiven heraus. Sie sind aber schnell vergriffen. Und dann wird man mit portugiesischen Briefmarken bedient. Oder gar mit Freistempeln.
Warum wirbt man nicht verstärkt mit den hübschen Azoren-Briefmarken?
• Deutsche Zeitungen und Zeitschriften: Fehlanzeige
Haben Sie schon einmal versucht, auf den Azoren eine deutsche Zeitung oder Zeitschrift zu kaufen? Die gibt es fast nirgendwo. Ich kenne kein anderes europäisches Touristengebiet, in dem ich nicht eine Auswahl von deutschen Printmedien erhalten kann. Auf Mallorca und auf den Kanaren und auch anderswo gibt es eigene deutsche Ausgaben der Bild-Zeitung. Und vielerorts, etwa auf den Kanaren und auf Madeira auch eigene deutschsprachige Zeitschriften und Zeitschriften. Doch auf den Azoren: Nichts dergleichen.
• Werbesymbol „Azoren“
Der offizielle wuchtige Schriftzug „Azoren“ des Azorentourismus ist inzwischen völlig antiquiert. Warum kreiert man nicht einen schönen neuen? Die Sata hat es vorgemacht: Die Flügelschwingen auf den Flugzeughecks waren nur wenige Jahre gebräuchlich, dann erfand man den Azoren-Habicht mit seinen neun Feldern, die der Größe der einzelnen Inseln entsprechen. Ich finde das eindrucksvoll. So könnte man sich auch für die Inselgruppe oder auch einzelne Inseln einprägsame, symbolhafte Piktogramme ausdenken.
• Azorendörfer oft wenig ausdrucksvoll
In Deutschland haben die alljährlichen Wettbewerbe für schönere Dörfer in den vergangenen Jahrzehnten erstaunlich Positives bewirkt. Auf den Azoren gibt es nichts dergleichen. Die Häuser haben kaum Blumenschmuck, der Hausanstrich lässt oft zu wünschen übrig. Öffentliche Anlagen sind oft langweilig, lieblos. Allerdings werden die „weißen Dörfer“ allmählich farbiger. Mit wenig Geld, guten Ideen und auch Eigeninitiative ließen sich hier so manche reizvolle Veränderungen bewirken. In diesen Tagen hat der Kreis Ponta Delgada damit begonnen, sogenannte „Sinaléticas“, Erläuterungstafeln zu Sehenswürdigkeiten aufzustellen. Ein guter Anfang.
• Bade-Tourismus liegt brach
Die Azoren hätten dank ihrer Thermalquellen die Voraussetzung für einen aufstrebenden Spa-Tourismus. Doch nichts dergleichen tut sich. Mangels Management und Werbung liegen die vorhandenen Einrichtungen weitgehend brach.
• Azoren-Museum Ponta Delgada
Die Azoren haben eine große Anzahl und Auswahl an gut gestalteten Museen. Doch ausgerechnet das größte Azorenmuseum in Ponta Delgada mit seinem reichen Bestand ist mit seinem Hauptgebäude seit über 6 Jahren geschlossen. Völlig unverständlich.
• Informationszentrum für Geothermie
Ziemlich einmalig und hochinteressant ist auf den Azoren die Energiegewinnung mittels Erdwärme. Ein Highlight wäre es auch für Touristen, würde man ihnen dies in einem Informationszentrum erläutern. Doch es gibt nichts dergleichen.
• Vulkanismus-Museum
Das Museum von Capelinhos auf Faial ist sehr gut gelungen und hat auch die entsprechende Anzahl von Besuchern. Aber die Insel São Miguel, die ja auch aufs Engste mit dem Vulkanismus verbunden ist, hat nichts dergleichen zu bieten; sieht man einmal von der stets geschlossenen Einrichtung an der Küste von Lagoa ab. Warum etwa nutzt man nicht einen der überflüssigen neuen Container am Ufer von Sete Cidades für ein kleines Vulkanismus-Museum?
Die Reihe der Anmerkungen ließe sich gewiss noch fortsetzen. Vielleicht kannst Du, lieber Tourist, Du, lieber Resident sie noch ergänzen.
hjh